Badexpertin Anne Neis weiß, worauf es beim Planen eines kleinen Bades zu achten gilt
Innenarchitektin und Badexpertin Anne Neis gibt im Interview mit Badratgeber Empfehlungen für die Gestaltung und Renovierung eines Gäste-WC und verrät ihre persönlichen Einrichtungstipps für kleine Badezimmer.
Worauf sollte man bei der Renovierung eines Gäste-WC achten?
Zunächst muss man sich die Frage stellen, welche Sanitärobjekte (also Einrichtungsgegenstände) benötigt werden. So ist es gerade bei der Renovierung des Gäste-WC häufig ein Wunsch, dass nun auch ein Urinal im neugestalteten Raum Platz finden soll. Hier ist natürlich zu prüfen, ob dies die räumlichen Gegebenheiten zulassen.
Wenn die Objekte klar sind, kann die Entwicklung des Grundrisskonzeptes beginnen.
Ich finde es wichtig, die Größe des Waschbeckens auch im Gäste-WC ausreichend groß zu wählen. Es gibt auf dem Markt einige Handwaschbecken, in die nicht mal zwei Hände gleichzeitig hineinpassen. Das finde ich wenig zweckmäßig und würde ich nur im äußersten Notfall wählen, wenn der Raum wirklich nicht mehr Platz zur Verfügung stellt.
Für viele Menschen ist das Gäste-WC ein „Vorzeigeraum“ und sollte daher etwas Besonderes sein. Hier kann man deshalb ruhig einmal mutiger sein und Farben, Materialien und Elemente auf die man im Hauptbad manchmal aus Gründen des praktischen Nutzens für den Alltag verzichtet, wie z.B. Aufsatzschalen als Waschbecken, verwenden. Dies gilt für alle Bereiche, wie Wand-, Boden- und Deckengestaltung, die Sanitärobjekte, Leuchten und nicht zuletzt Dekoartikel.
Wie bringt man am besten Farbe in das Bad?
Die „Sache mit der Farbe“ ist im Interior Design absolute Geschmacksache. Der Trend im Bad geht ganz klar zur Farbe. Und natürlich gibt es auch hier immer wieder neue Trendfarben. Auf der diesjährigen ISH (Weltleitmesse der Branche in Frankfurt am Main) war dies zu beobachten. So gibt es momentan viele Einrichtungsgegenstände wie u.a. Badkeramiken, Möbel, Accessoires aber auch Armaturen in den unterschiedlichsten Farben. Diese reichen von verschiedenen metallischen Tönen (gebürstet/matt und glänzend), über Erdtöne bis hin zu wirklich bunten Farben (wie Gelb, Rosa, Blau, Türkis etc.).
Ich persönlich und die meisten meiner Kunden bevorzugen allerdings eine Farbgebung, die mit weniger Aufwand wieder änderbar ist. Denn leider ist es gerade mit „extremen“ Farben oft so, dass man sich nach einer gewissen Zeit satt sieht. Wenn dieser Fall eintritt, ist es bei einer Fliese oder einem hochwertigen Badmöbel in einer knalligen Farbe etwas schwierig.
So kann man zu einer relativ dezenten Fliese jede Wandfarbe, die dazu passt, für die nicht gefliesten Flächen des Raumes verwenden. Der Kostenaufwand ist so meist sehr viel geringer.
Da in den heutigen Bädern in der Regel nur noch die Flächen gefliest werden, die aus Gründen des Spritzschutzes unbedingt gefliest sein müssen, ergeben sich hier oft schon einige freie Flächen, die anders gestaltet werden können.
Auch ausgefallene Tapeten sind als Eye-Catcher denkbar. Es gibt mittlerweile sogar Tapeten für den Nassbereich, die also auch in der Dusche (statt Fliesen) Anwendung finden.
Natürlich gibt es bei Accessoires (gemeint sind hier v.a. Handtücher, Fußmatten, Fensterrollos etc.), Deko und Bildern im Bad keine Grenzen, was die Farbigkeit angeht. Toll ist hierbei, wie schnell diese austauschbar sind und so dem Bad eine völlig neue und andere Anmutung gegeben werden kann!
Und zu guter Letzt sollte man die Möglichkeiten, die das Licht uns bietet, nicht unterschätzen!
Worauf sollte ich ganz besonders beim Planen eines kleinen Bades achten?
Kleine Bäder bieten oft eine besondere Herausforderung, da sie meist die gleichen Dinge beinhalten sollen wie ein großes Bad.
Deshalb muss hier besonders darauf geachtet werden, dass die Funktionen aller Bereiche gegeben bleiben.
Es gibt hier viele Möglichkeiten, wenn auch mit dem ein oder anderen Kompromiss, alle Wünsche zu verwirklichen.
Z.B. gibt es für diesen Zweck eigens entwickelte Raumsparbadewannen oder auch interessante Duschabtrennungen, die es zulassen den Raum zu vergrößern, wenn die Dusche gerade als solche nicht genutzt wird.
Sehr gerne arbeite ich gerade auch bei kleinen Räumen mit einem Schreiner zusammen. Denn er ermöglicht eine individuelle Fertigung auf Maß von Möbeln wie Waschtischunterschränken, Seitenschränken, aber auch Sonderlösungen für Nischen, um jeden Zentimeter des Raumes perfekt auszunutzen.
Um kleine Räume nicht zu unruhig zu gestalten, solle man auf eine harmonische Farbgebung achten und nicht zu viele Farben, Oberflächen und Materialien verwenden. Dunkle Farben verkleinern den Raum zusätzlich, gerade dann, wenn die Farben sich auf gegenüberliegenden Wänden befinden. Aus diesem Grund sollte man dies bei einer durchdachten Badplanung unbedingt vermeiden.
Anne Neis
Innenarchitektin & Badexpertin
Anne Neis ist freiberufliche Badplanerin. Die studierte Innenarchitektin ist nun bereits seit mehr als 10 Jahren in der Sanitärbranche tätig und entwickelt gemeinsam mit ihren Kunden individuelle Raumkonzepte für Badezimmer:
Anne Neis Bad Konzept & Gestaltung